Blogumzug

Hallo zusammen,

dieses Blog ist nicht mal richtig erwachsen geworden, da zieht es schon wieder um.

Ab sofort ist mein Blog auf www.fraumaja.de erreichbar.

Den Content habe ich mit hinüber gezogen, aber mit der selbst gehosteten Variante habe ich mehr Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung. Hier wird sich im neuen Blog auch noch etwas tun, ich bin noch nicht ganz fertig mit dem basteln🙂

Ich hoffe ihr lest auch ‚drüben‘ fleißig mit. Ihr habt auch dort die Möglichkeit mein Blog zu abonnieren.

Wie auch hier blogge ich ohnehin vor allem wenn ich wirklich etwas sagen habe oder teilen möchte und nicht um des bloggens willen.

Viele Grüße,
FrauMaja

Von der Motivation Politik zu machen

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Ich bin kein Kind des Mittelstandes.

Die Gesellschaft würde meine Eltern wohl ‚einfache Leute‘ nennen und noch bösartigere Zungen ‚bildungsfern‘. Nicht, weil sie tatsächlich ungebildet wären, sondern weil sie beide ’nur‘ auf der Hauptschule waren und keine Akademiker sind. Das liegt aber nur daran, dass ihre Eltern ihrerseits keine Akademiker waren und zu ihrer Schulzeit war es ’normal‘ dass der Nachwuchs dann eben halt auch auf die Hauptschule geht (Das sagt der Name ‚HAUPTSchule‘ ja schon), dann einen Beruf erlernt und dann arbeitet. Und vor 30 Jahren war es auch völlig im Rahmen der Möglichkeiten so eine Familie zu ernähren.

Zwar nicht auf großem Fuß zu leben aber auch nicht am absoluten Existenzminimum mit ständiger Existenzangst.

So bin ich also mit meinen 3 Geschwistern aufgewachsen.

Nein, wir haben keine weiten Flugreisen in den Urlaub gemacht. Dafür 6 Wochen auf dem Campingplatz, was aber auch 6 Wochen größtmögliche Freiheit bedeutet hat.

Wir haben keine Computer oder Fernseher etc. ‚mal eben‘ geschenkt bekommen, das wäre bei 4 Kindern finanziell sicher nicht drin gewesen. Aber wenn wir etwas Geld gespart hatten um uns so ein Gerät zu kaufen, haben unsere Eltern uns was dazu getan. So haben wir immerhin gelernt, dass Dinge einen Wert haben.

Mit der Zeit jedoch ist Vollbeschäftigung eine Illusion geworden. Und Jobs für Menschen, die ’nur‘ einen Hauptschulabschluss haben, sind rar geworden und die Löhne dafür reichen kaum noch zum Leben. Geschweige denn um eine Familie anständig zu ernähren. Darüber hinaus dachte sich die damalige Bundesregierung unter Schröder die Agenda 2010 aus.

Gleichzeitig galten Menschen mit weniger hohem Bildungsstand nun als faul, weil sie es nicht so weit gebracht hatten und arbeitslose Menschen als Drückeberger und Sozialschmarotzer. Vielleicht, weil die (deutsche) Gesellschaft – dank Wirtschaftswunder – Arbeitslosigkeit lange einfach nicht wirklich gekannt hatte? Auf alle Fälle wurden durch Aussagen wie „Nur wer arbeitet soll auch essen“ von Müntefering und hämische Berichte über Kuriositäten wie „Florida-Rolf“ das gesellschaftliche Misstrauen und die Spaltung vorangetrieben.

Als ich 19 oder 20 war und kurz vorm Abitur stand, da füllte ich meinen ersten ALG2 Antrag aus. Papa war arbeitslos geworden und ich lebte als über 18-jährige im Haushalt.

Nun war ich also auch eine dieser Sozialschmarotzerinnen.

Immerhin: Papa, damals Ende 40, fand wieder einen Job.

Der endgültige soziale Abstieg war noch einmal abgewendet.

Aber die Dinge hatten sich geändert. Der 40 Stunden Vollzeitjob reichte nicht mehr um sich Zahnersatz leisten zu können. Und das, obwohl 2 der 4 Kinder längst aus dem Haus waren. Und Mama mit Minijob die Haushaltskasse aufbesserte. Das Lohnniveau war gesunken. Die Lage war unsicherer geworden.

*beam in die Jetztzeit*

Papa, nun Ende 50, hat seinen Job verloren. Unter anderem, weil er sich gegen schlechte, ungesunde Arbeitsbedingungen gewehrt hat. Außerdem musste er sich einer Bypass OP unterziehen und kann nicht mehr schwer heben. Ein Arbeitsleben, das mit 15 Jahren begann, hat seine Spuren hinterlassen.

Das Arbeitsamt schickt ihn in einen Bewerbungskurs, wo er mit Leuten in seinem Alter lernt Bewerbungen zu schreiben. Bewerbungen für einen Arbeitsmarkt, der keine Verwendung mehr für Leute wie sie hat. Aber die Arbeitslosenstatistik sieht so schöner aus.

Wenn 2 Jahre Arbeitslosigkeit rum sind, wird er in ALG2 rutschen. Dann wird man ihm seine ohnehin eher hypothetische private Altersvorsorge nehmen, weil er kein Vermögen haben darf.

Außer er wird in dieser Zeit krank und der Arzt schreibt ihn krank. Was bei einem herzkranken Diabetiker ja nicht allzu unwahrscheinlich ist.

Dann rutscht er direkt in Hartz4 und nicht erst in 2 Jahren.

Irgendwann, nach ein paar Jahren am Existenzminimum auf Hartz4 wird man ihn dann vermutlich frühzeitig verrenten.

Was meinen Eltern dann bleiben wird ist Altersarmut.

Das mit anzusehen macht mich als Tochter wütend. Und hilflos. Das haben meine Eltern einfach nicht verdient. Und es ist ein Hauptgrund warum ich politisch aktiv bin.

Denn diese Abwärtsspirale betrifft ja nicht nur meine Eltern. Sie betrifft viele Menschen, deren Arbeitsplätze abgebaut werden, die zu alt sind um im hart umkämpften Arbeitsmarkt noch einen Job zu finden, deren Gesundheit nicht bis 67 mitmacht.

Unser Sozialsystem und Rentensystem ist darauf ausgelegt, dass Menschen durchgängig von der Ausbildung bis zur Rente einen gut bezahlten Vollzeitjob haben. Dies ist aber heute schon eine Illusion. Vollbeschäftigung gibt es nicht mehr. Und wer einen Job hat, der kann nicht automatisch davon leben.

Geschuldet ist das der Digitalisierung und Automatisierung, die viele von Menschen gemachte Jobs überflüssig macht.

Sollen wir deshalb auf technischen Fortschritt verzichten? Ich halte das für den falschen Schluss.

Er fußt auf die Vorstellung, dass der Mensch nur durch einen Erwerbsjob etwas wert ist. Dabei gibt es auch 1000 andere Arten der Arbeit, der Beschäftigung, des Einbringens in die Gesellschaft. Wobei ich mal grundsätzlich in Frage stelle, dass ein Mensch nur etwas wert ist, wenn er etwas für die Gesellschaft tut. Im Gegenteil. Das ist eine gefährliche Denkweise.

Deshalb bin ich auch eine Befürworterin eines bedingungslosen Grundeinkommens. (Was ich ja schon an anderen Stellen im Blog geschrieben habe)

Oft verstören mich Diskussionen, bei denen es um reine Begrifflichkeiten geht. Ob man Menschen, die keine Perspektive haben, ‚Arbeiterklasse‘, ‚Unterschicht‘ oder ‚Abgehängtes Präkariat‘ nennt, kann man lange diskutieren, ist aber müßig.

Einige werden mich dafür hassen, aber Arbeiterklasse ist ein Begriff den ich nicht mehr wirklich für realistisch halte. Da es für Menschen wie meinen Papa keine Arbeit mehr geben wird.

‚Abgehängtes Präkariat‘ beschreibt die tatsächliche Situation zwar passend, ist aber ein Euphemismus.

‚Unterschicht‘, so traurig es ist, ist für die derzeitige Situation in meinen Augen tatsächlich am passendsten. Er beschönigt nichts. Denn so ist es: Den betroffenen Leuten wird jegliche soziale Sicherheit genommen. Sie werden vom Staat mit Repressionen bedrängt und für ihre ‚Nutzlosigkeit‘ im System bestraft und sind in einer (im derzeitigen System) unaufhaltsamen Abwärtsspirale gefangen.

Aber klar. Unterschicht ist kein Begriff, mit dem wir uns abfinden sollten.

Ich wünsche mir eine progressive Sozial- und Gesellschaftspolitik. Eine Politik, die mit einbezieht, dass es keine Vollbeschäftigung mehr geben wird und sich nicht nur auf Placebos wie eine geforderte 30 oder 35 Stundenwoche stützt. Eine Politik, die für die jetzige abgehängte ‚Unterschicht‘ neue Perspektiven und Sicherheiten und damit auf neue Begriffe findet, die dann passend sind.

Damit auch Menschen wie meine Eltern eine bessere Perspektive als nur die Repression durch den Staat und die Armut jetzt und im Alter haben.

Das ist momentan der Hauptantrieb für mich politisch aktiv sein zu wollen, auch wenn ich immer noch nach einem richtigen Platz dafür suche.

Ich war grade wegen solcher Positionen auch noch lange bei den Piraten, aber diese sind aus vielerlei Gründen kein Ort mehr für mich. Und ich sehe, dass sich bei den Linken auch einige Menschen mit progressiver Sozialpolitik und dem BGE beschäftigen aber sehe da auch noch nicht wirklich Mehrheiten dafür. Wo also einsteigen. Das weiß ich noch nicht.

Ich weiß nur: So wie es ist kann es nicht bleiben. Um meiner Eltern willen. Um meiner selbst willen. Und um der Gesellschaft willen.

PS: Über Kommentare im Blog, die meine (subjektiven) Gedanken aufgreifen und ergänzen freue ich mich wie immer sehr!

#BGE: Risiken und Nebenwirkungen

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Anfang Juni wurde in der Schweiz ein Bürgerentscheid zum BGE durchgeführt. ~23% stimmten für ein Grundeinkommen. ~77% dagegen.

Auf den ersten Blick eine Niederlage. Aber ist es wirklich ein Rückschritt im Kampf für ein bedingungsloses Grundeinkommen?
Nein, die Idee eines Grundeinkommens ist damit nicht tot. Aber die Abstimmung ist ein guter Gratmesser, wie ’salonfähig‘ die Idee mittlerweile ist.
23% Zustimmung sagen: Die Idee ist in der Welt. Aber nun muss sie sich noch weiter verbreiten. Weiterlesen #BGE: Risiken und Nebenwirkungen

About Belästigung & Ertragen

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Samstag. Ich bin in Dortmund unterwegs. Bei den Protesten gegen den Naziaufmarsch oder beziehungsweise von Polizeikessel von Polizeikessel, weil wir massiv behindert wurden.

Ich twittere darüber. Dass Menschen gepfeffert wurden. Dass die Polizei die Spiegelbarrikaden zerstört hat. Dass es im Polizeikessel keinen Schatten gibt und es heiß ist. Was man an einem Demotag in Dortmund eben so erlebt.

Dann innerhalb weniger Minuten mehrere Replys verschiedener Accounts. Ich solle doch meine weiblichen Befindlichkeiten sein lassen und nicht nerven. Ich solle mich mal hinknien und tun wozu ich als Frau bestimmt sei. Ich solle zurück in die Küche gehen. Weiterlesen About Belästigung & Ertragen

Mein erster Bikini – zwischen #bodyshaming und #bodypositive

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Selbst als ich wesentlich schlanker war hatte ich keinen Bikini. Nicht als Teenie, nicht als erwachsene Frau.
Ich hatte einfach nie das Gefühl eine Bikinifigur zu haben. Selbst als ich nicht unbedingt ‚dick‘ war. Ich war nun mal nicht so dünn wie die anderen Mädchen im Schwimmbad oder die Frauen an denen man Bikinis in der Werbung sah. Weiterlesen Mein erster Bikini – zwischen #bodyshaming und #bodypositive

Ruhrpott Sightseeing – Drachenfest Gelsenkirchen

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Am vergangenen Wochenende war ich ausnahmsweise nicht mit meiner besseren Hälfte im Ruhrpott unterwegs sondern mit meinem Dad.

Dieser pflegt nämlich ein spannendes und interessantes Hobby: Den Drachensport.
Dazu haben viele Menschen erstmal die Vorstellung, dass es sich um schnittige Lenkdrachen geht, die in gewagten Kurven durch die Luft gesteuert werden. Aber nein, bei ihm geht darum größere Einleinerdrachen, vorallem die sich drehenden Bols, selbst zu nähen und dann steigen zu lassen. (Link zu seiner Facebookseite) Weiterlesen Ruhrpott Sightseeing – Drachenfest Gelsenkirchen

Ruhrpott Sightseeing – Freilichtmuseum Hagen

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Hagen in Westfalen. Was fällt euch zu dieser Stadt ein?
Meine Antworten wären eigentlich irgendwas zwischen „strukturschwach und verbaut“ und „ich arbeite da halt“.
Aber wie viele Städte im Ruhrgebiet hat auch Hagen überraschend reizvolle Ecken, die einen Ausflug wert sind.

Eine dieser Perlen ist das Freilichtmuseum Hagen.
Dieses haben meine bessere Hälfte und ich am vergangenen Wochenende besucht. Weiterlesen Ruhrpott Sightseeing – Freilichtmuseum Hagen